Karate und Taekwondo stehen im Kalender oft nebeneinander, und von außen sehen ihre Turniere ähnlich aus: eine Halle, mehrere Matten, Altersklassen von den Schülern aufwärts, ein Zeitplan über den ganzen Tag. Auf der Matte hört die Ähnlichkeit auf. Die beiden Sportarten messen sogar die Zeit unterschiedlich.
Dieser Guide beschreibt, wo die verbindlichen Angaben stehen und welche davon du vor einem Start oder einem Besuch kennen solltest. Er ist kein Regelbuch: Welche Aktion wie viele Punkte bringt, welche Strafen es gibt und wie eine Entscheidung zustande kommt, steht in den verlinkten Ordnungen und nirgendwo sonst.
Der Verband schreibt die Regeln, nicht der Ausrichter
Das ist der Unterschied zu einer Fight Night oder einem offenen Grappling-Turnier, wo der Veranstalter sein Regelwerk selbst benennt. Im Karate und im Taekwondo kommt es vom Dachverband, und der Ausrichter führt es aus.
| Karate | Taekwondo | |
|---|---|---|
| Ordnung | DKV, Kumite-Wettkampfregeln | DTU, Wettkampfordnung Zweikampf |
| Stand | gültig ab 1.1.2026 | 01.09.2023 |
| Zeitform | effektive Kampfzeit | Runden mit Pause |
| Zweite Form | Kata | Poomsae |
Beide Dokumente sind öffentlich und auf jeder Disziplinseite verlinkt – bei Karate und bei Taekwondo jeweils mit den Artikel- beziehungsweise Nummernangaben, aus denen die Werte hier stammen.
Was der Verband nicht festlegt, ist der Ablauf deines konkreten Tages: Wiegezeit, Aufrufreihenfolge, Mattenzuteilung und Meldeschluss stehen in der Ausschreibung des jeweiligen Turniers. Wer nur die Ordnung liest, weiß die Regeln und nicht den Zeitplan.
Kumite läuft auf effektive Zeit
Im Karate wird die Uhr angehalten. Was in der Ordnung steht, ist deshalb keine Dauer, sondern eine reine Kampfzeit – die Pausen bei Unterbrechungen kommen obendrauf, und ein Kampf dauert im Raum länger, als die Zahl sagt.
Die Kampfzeit hängt an der Altersklasse:
- 3 Minuten bei Senioren und U21
- 2 Minuten bei Jugend und Junioren
- 1,5 Minuten ab 14 Jahren und jünger
Für einen Zuschauer heißt das: Eine Anzeige, die stillsteht, ist kein Fehler, sondern der Normalfall. Für einen Starter heißt es, dass die Belastung sich nicht aus der Zahl ablesen lässt.
Kyorugi läuft auf Runden
Im Taekwondo läuft die Uhr wie beim Boxen in Runden, mit Pause dazwischen – und bei Gleichstand kommt eine Entscheidungsrunde dazu.
- 3 Runden à 2 Minuten, eine Minute Pause, bei Senioren und Jugend A
- 3 Runden à 1:30 bei Masters und Jugend B, C und D
- goldene Runde à 1 Minute bei Gleichstand
Die Treffer werden im Kyorugi elektronisch gewertet. Das ist der Grund, warum zur Schutzausrüstung Dinge gehören, die anderswo keine Rolle spielen (siehe unten).
Acht Meter, zweimal anders gemeint
Beide Sportarten kämpfen auf acht Metern – und meinen damit nicht dasselbe.
Im Karate ist es ein Mattenquadrat mit 8 m Seitenlänge, dessen äußerer Meter andersfarbig ist; ringsum liegt eine Sicherheitszone von 2 m. Der andersfarbige Rand ist also Teil der Fläche und nicht ihr Ende.
Im Taekwondo ist es eine elastische Matte, entweder als Oktagon mit 8 m Durchmesser oder als Quadrat 8 × 8 m; der gesamte Wettkampfbereich misst 10 × 10 bis 12 × 12 m.
Wer sich einen Platz in der Halle sucht, kann damit rechnen: Die Fläche, auf der etwas passiert, ist in beiden Fällen kleiner als der Aufbau, den man von weitem sieht.
Schutzausrüstung entscheidet über den Start
In beiden Ordnungen ist die Ausrüstung kein Zubehör, sondern eine Zulassungsbedingung. Fehlt ein Teil, wird nicht gekämpft.
Karate verlangt Faustschützer, Zahnschutz, Körperschutz, Schienbeinschoner, Fußschützer, Tiefschutz für Männer und Brustschutz für Frauen. Unter 14 Jahren kommen Helm und ein externer Körperschutz dazu.
Taekwondo verlangt Weste, Kopfschutz, Zahnschutz von mindestens 3 mm, Leisten- und Tiefschutz, Unterarm- und Schienbeinschützer sowie Handschützer. Bei elektronischem System zusätzlich Socken mit Sensoren.
Die 3 mm beim Zahnschutz sind ein gutes Beispiel dafür, warum die Ordnung und nicht der Gedächtnisstand zählt: Eine Maßangabe in einem Regelwerk ist prüfbar, und geprüft wird sie vor dem Start.
Was du am Wettkampftag sonst dabeihaben musst, steht in der Wettkampfausrüstungs-Checkliste – sie trennt, was das Regelwerk verlangt, von dem, was der Tag verlangt.
Wer starten darf, steht in der Ordnung
Die DTU nennt drei Voraussetzungen für einen Start im Kyorugi: Zugehörigkeit zur DTU, ein gesundheitlich einwandfreier Zustand und bei Minderjährigen die schriftliche Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten.
Für Karate führen wir keine entsprechende Angabe: Die Kumite-Wettkampfregeln, aus denen die Werte oben stammen, regeln den Wettkampf, nicht die Meldung. Wer im Karate starten will, klärt die Voraussetzungen über seinen Landesverband und die Ausschreibung – hier steht dazu bewusst nichts, was nicht belegt ist.
Kata und Poomsae sind eigene Wettbewerbe
Beide Sportarten kennen neben dem Kampf eine bewertete Form: Kata im Karate, Poomsae im Taekwondo. Sie laufen nach eigenen Regeln, gegen eine Bewertungsskala statt gegen einen Gegner, und sie stehen im Kalender als eigene Veranstaltungen – die Deutsche Meisterschaft Poomsae ist kein Nebenprogramm eines Kyorugi-Turniers.
Was auf dieser Seite unter einem Termin steht, sagt deshalb nicht automatisch, welche Form gemeint ist. Der Titel tut es meistens; im Zweifel die Ausschreibung.
Häufige Fragen zum Verbandswettkampf
Kann ich als Zuschauer einfach hingehen?
Die Verbandsordnungen regeln den Wettkampf, nicht den Zuschauerzugang. Ob es Eintritt gibt, wann die Halle öffnet und ob überhaupt Publikum zugelassen ist, steht beim jeweiligen Termin – und fehlt dort, wenn der Ausrichter es nicht veröffentlicht hat.
Warum steht bei manchen Terminen keine Uhrzeit?
Weil keine Quelle eine nennt. Die Verbandskalender führen bei einem Teil ihrer Termine nur Tag und Ort; eine Startzeit aus einer anderen Ausgabe zu übernehmen wäre geraten. Steht keine Zeit da, gibt es keine bestätigte.
Gilt die Ordnung auch bei einem offenen Turnier eines Landesverbands?
Das entscheidet die Ausschreibung. Sie nennt den Regelgeber und mögliche Ergänzungen des Ausrichters; aus dem Namen eines Turniers lässt sich das nicht ableiten. Dieselbe Regel wie im BJJ – siehe Regeln vor dem BJJ-Turnier.
Sind die Zahlen hier vollständig?
Nein, und das ist Absicht. Wiedergegeben sind Kampfzeit, Fläche, Schutzausrüstung und – beim Taekwondo – die Startvoraussetzungen. Wertung, Strafen, Protestverfahren und Gewichtsklassen stehen in den Ordnungen selbst.
Wie ein Kampfabend außerhalb des Verbandssports abläuft, erklärt Dein erster Kampfabend. Wie Punkte und Entscheidungen in den Schlagsportarten zustande kommen, steht in Punkte und Entscheidungen verstehen.
Quellenstand: 19. September 2026. Die Werte stammen aus den DKV-Kumite- Wettkampfregeln (gültig ab 1.1.2026, Art. 1.1, 2.2.7, 5.1) und der DTU-Wettkampfordnung Zweikampf (Stand 01.09.2023, Nr. 2.4, 3.1, 7.1.1). Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung für deine Altersklasse und Disziplin.