Am Samstag, dem 26. September 2026, wird im Deutsche Bank Park in Frankfurt am Main ein Fußballstadion zur Kampfarena. Zehn Profi-Paarungen, sieben Gewichtsklassen, zwei ausgehandelte Gewichte – und ein Ort, an dem dieser Sport in Deutschland schon einmal eine Grenze verschoben hat.
Dieser Text erklärt, wie der Abend abläuft und wie man die Karte liest – ohne eine einzige der zwanzig Personen zu kennen.
Hinweis: Dieser Beitrag dokumentiert die Vorschau und den Stand der Fight Card vor dem 26. September. Ergebnisse und Nachbericht stehen in OKTAGON 94: Die Nacht im Stadion.
Sechzigtausend, und jetzt wieder
Am 12. Oktober 2024 stand an derselben Stelle OKTAGON 62. Es war das erste MMA-Event in einem deutschen Fußballstadion, und der Veranstalter nennt es den Weltrekord für ein MMA-Event: 60.000 Zuschauer. Gezählt wurden 59.148, und ein Weltrekord ist das nicht: In Japan waren MMA-Abende schon deutlich größer. Es ist die größte Kulisse außerhalb Japans – mehr als jedes UFC-Event. Eine unabhängige amtliche Zählung gibt es ohnehin nicht, die Zahl steht hier also als das, was sie ist: eine Angabe des Veranstalters, bestätigt von der Berichterstattung.
Für einen Sport, der in Deutschland jahrelang in Mehrzweckhallen mit zweitausend Plätzen stattfand, ist das der Unterschied zwischen einer Veranstaltung und einem Ereignis. Zwei Jahre später kehrt dieselbe Serie in dasselbe Stadion zurück.
Christian Eckerlin, den der Veranstalter „Deutschlands größten MMA-Star” nennt, kämpft dort, wo er 2024 gestanden hat. Karlos Vémola beendet für diesen Abend seinen Rücktritt. Max Coga, der im Stadion schon einmal für den lautesten Moment des Abends gesorgt hat, ist wieder auf der Karte. Das ist die Ansage – und der Rest dieses Textes ist das Kleingedruckte dazu.
Vier bei MMA Spirit
Ein Heimspiel ist es nicht für alle, aber für mehr als einen. Christian Eckerlin und Max Coga trainieren beide bei MMA Spirit in Frankfurt – Coga steht gegen Christian Jungwirth, gegen den Eckerlin 2024 im selben Stadion um die „Krone Deutschlands” gekämpft hat. Und Fedor Duric, mit 22 der Jüngste auf der Karte, bestreitet nach den Vorschauen einen Heimkampf; sein Gegner Marc Diakiese reist aus England an.
Auch Raul Lemberanskij trainiert bei MMA Spirit. Damit standen vier Kämpfer aus demselben Frankfurter Gym auf der Karte. Das ist präziser als die schwer abgrenzbare Frage, wer als „Frankfurter” gilt: Gym, Wohnort und Herkunft sind nicht dasselbe.
Für Eckerlin kommt dazu, was der Veranstalter „sein Wohnzimmer” nennt: Er steht dort, wo er 2024 vor der Rekordkulisse gewonnen hat.
Der Ablauf am Samstag
Der Abend beginnt drei Stunden vor dem ersten Kampf. So führt ihn der Veranstalter in seinem Programm:
| Uhrzeit | Was |
|---|---|
| 15:00 | Außenbereich (E1–E5) und Fanzone öffnen |
| 16:30 | Öffnung der Stadiontore |
| 17:30 | Round Zero, live auf YouTube |
| 18:00 | Veranstaltungsbeginn und Free Prelims, live auf YouTube |
Wer also nur auf die erste Kampfzeit schaut, verpasst den Vorlauf. Die Fanzone war ab 15:00 offen, die Tore ins Stadion ab 16:30; welche Bereiche zugänglich waren, richtete sich nach Ticket und Einlassbedingungen.
Schon am Freitag läuft der öffentliche Teil: 09:00 das offizielle Wiegen, ab 16:30 öffnet das Palais Thurn und Taxis, 17:30 Pressekonferenz, 19:00 das öffentliche Wiegen. Das ist kostenlos zu sehen und für viele der eigentliche Auftakt.
Der Zutritt zum Stadion ist ab 18 Jahren.
Der Hauptkampf: Eckerlin gegen Kozma
Christian Eckerlin trifft im Catchweight bis 80 Kilogramm auf David Kozma. Die Bilanzen, wie der Veranstalter sie führt: 18-8-0 gegen 34-15-0.
Das ist die interessanteste Zahlenpaarung des Abends, und zwar nicht wegen der Siege. Kozma hat nach dieser Aufstellung 49 Kämpfe bestritten, Eckerlin 26 – fast doppelt so viele Auftritte bei ähnlicher Siegquote. Zwei Wege, zwei Arten von Routine. Kozma ist nach Angaben des Veranstalters der am längsten regierende ehemalige OKTAGON-Champion. Seine sechs gewonnenen Titelkämpfe bestehen aus dem Titelgewinn und fünf Verteidigungen.
Eine Legende beendet ihren Rücktritt
Karlos „Terminátor” Vémola steht mit 38-9-0 auf der Karte – 47 Profikämpfe, ehemaliger Mittel- und Halbschwergewichtschampion, der erste Tscheche in der UFC. Für diesen Abend kommt er aus dem Rücktritt zurück.
Sein Gegner Frederic Vosgröne ist 5-0-0, ungeschlagen, und kommt vom Ringen. Damit steht in einer einzigen Paarung, worum es in diesem Sport oft geht: siebenundvierzig Kämpfe Erfahrung gegen fünf Kämpfe ohne Niederlage. Beide Zahlen sind ein Argument, und nur eine davon kann am Samstag recht behalten.
Auf derselben Karte steht Marc Diakiese, der 15 Kämpfe in der UFC bestritten hat, gegen den 22-jährigen Fedor Duric. Und ganz unten treffen mit Michael Obodozie und Oskar Staszczak zwei Ungeschlagene aufeinander, die beide für vorzeitige Siege bekannt sind – der Kampf, der den Abend eröffnet, dürfte einer der kürzesten werden.
Was eine Bilanz sagt – und was nicht
Eine Bilanz zählt Kämpfe. Sie sagt nichts darüber, gegen wen sie zustande kam, in welchem Zeitraum, unter welchem Regelwerk oder wie die Kämpfe endeten.
| Was du siehst | Was es heißt |
|---|---|
| 18-8-0 | 26 Kämpfe, 18 Siege, keine Unentschieden |
| 34-15-0 | 49 Kämpfe – deutlich mehr Auftritte, ähnliche Quote |
| 5-0-0 | wenige Kämpfe, alle gewonnen; über die Gegner sagt es nichts |
| 21-14-1 | lange Laufbahn mit vielen Auftritten auf beiden Seiten |
Eine Bilanz ist eine Zusammenfassung, kein Formstand.
Gelesen wird die Karte von oben, gekämpft wird sie von unten. Der Veranstalter führt sie mit dem Hauptkampf zuerst; im Stadion läuft sie umgekehrt – der letzte Eintrag eröffnet den Abend, der Hauptkampf schließt ihn ab. Wer die zehnte Paarung sehen will, muss zum Beginn da sein, nicht zum Ende. Mehr dazu in Eine Fightcard lesen und verstehen.
Catchweight heißt ausgehandelt
Zwei Paarungen des Abends laufen bei 89 kg und 80 kg – Gewichte, die in keiner der geführten Klassen liegen. Ein Catchweight ist genau das: ein Limit, auf das sich beide Seiten geeinigt haben.
Die Gründe stehen nirgends und werden hier nicht geraten. Verbreitet sind ein kurzfristiger Ersatz, ein Wechsel der Gewichtsklasse oder schlicht der Umstand, dass zwei interessante Namen sonst nicht zusammengekommen wären. Wichtig für Zuschauer ist nur: ein Catchweight ist kein Titelkampf und folgt keiner Klassenrangliste.
Eine der beiden trägt zusätzlich den Zusatz „Stand and Bang”. Das ist keine Gewichtsangabe, sondern eine Verabredung über den Kampf: Er bleibt im Stehen. Kein Ringen, kein Bodenkampf – mitten in einer MMA-Karte eine Ausnahme, und damit ein anderes Tempo als in den neun Bouts daneben. Den Unterschied zwischen den Distanzen erklärt MMA, K-1 oder Full Thai?.
Die Karte ist ein Stand, keine Zusage
Kurzfristige Änderungen sind im Kampfsport die Regel, nicht die Ausnahme. Verletzungen im letzten Training, Probleme auf der Waage, ein Ersatz mit wenig Vorlauf – all das trifft lange Karten häufiger als kurze, einfach weil mehr Menschen beteiligt sind.
Unter jedem Termin steht deshalb, wann zuletzt geprüft wurde. Für diesen Abend ist es der 23. September 2026, und die Quelle ist die Eventseite des Veranstalters. Je näher der Samstag rückt, desto eher lohnt ein zweiter Blick dorthin.
Häufige Fragen zum Abend
Wann sollte ich da sein?
Das hängt davon ab, was du sehen willst. Die Fanzone im Außenbereich öffnet um 15:00, die Stadiontore um 16:30, das Hauptprogramm läuft ab 18:00. Round Zero und die Free Prelims ab 17:30 beziehungsweise 18:00 laufen zusätzlich auf YouTube. Wie man den Abend drumherum plant, steht in Tickets, Einlass und Abendkasse.
Ist der Hauptkampf der letzte Kampf?
Ja. Die Liste beginnt mit ihm, der Abend endet mit ihm – dazwischen wird sie von unten nach oben abgearbeitet. Was der Veranstalter nicht veröffentlicht, sind die Uhrzeiten der einzelnen Bouts.
Kann ich schon am Freitag hin?
Ja. Das öffentliche Wiegen am Freitag um 19:00 im Palais Thurn und Taxis ist frei zugänglich, davor laufen Präsentation und Pressekonferenz. Der Veranstalter überträgt beides zusätzlich auf YouTube.
Warum steht bei manchen kein Gym?
Weil es nicht gemeldet ist. Für diese Karte führt die Quelle Gewichtsklasse und Bilanz, nicht die Zugehörigkeit – und was nicht gemeldet ist, erfinden wir nicht.
Welche Paarungen lohnen sich?
Das entscheidet der Abend. Woran man vorher erkennt, welche Typen von Paarungen tragen, steht in Fünf Fights, die du sehen musst – Stilkontrast, Debüt unter Druck und der Kampf vor dem Hauptkampf gibt es auf dieser Karte alle drei.
Stand: 23. September 2026. Angaben zu Karte, Ablauf und Ort stammen von der Eventseite und dem Programm des Veranstalters, geprüft am 23. September 2026; verbindlich ist immer dessen Auskunft.