Wer in einer deutschen Halle am Käfig sitzt, hört Namen, die in der Szene jeder kennt – und die man als Zuschauer nicht immer einordnen kann. Diese Reihe will das ändern. „Köpfe der Szene“ stellt die Menschen vor, die den Sport hierzulande geprägt haben oder ihn gerade prägen. Den Anfang machen die Kämpferinnen und Kämpfer.

Ausgewählt ist nach einem Kriterium, nicht nach Güte: Wer hier steht, hat seine Karriere in Deutschland gemacht und einen Rang, den man nachsehen kann – einen Platz im Kader der UFC oder einen Titel beziehungsweise Titelkampf in einer großen Organisation. Das ist keine Rangliste. Die neun Namen stehen in der Reihenfolge, in der ihre Profikarrieren begonnen haben, von 2002 bis 2014.

Daniel Weichel: seit 2002 im Käfig

Als Daniel Weichel im Mai 2002 seinen ersten Profikampf bestritt, war die UFC noch sieben Jahre von ihrem ersten Abend in Deutschland entfernt. Der Frankfurter ist trotzdem geblieben, mehr als zwei Jahrzehnte lang. 2010 gründete er mit Niels Schlaegel das Gym MMA Spirit in Frankfurt, aus dem später Kämpfer wie Christian Jungwirth und Max Coga hervorgingen.

Seinen ersten großen Gürtel holte er im November 2011: den Leichtgewichtstitel bei M-1 Global, durch Knockout in der ersten Runde gegen José Figueroa. Danach wurde Bellator seine Bühne – 18 Kämpfe bei der US-Organisation. Dort gewann er ein Turnier im Federgewicht und forderte zweimal den Champion Patrício „Pitbull“ Freire heraus: 2015 bei Bellator 138, als Freire in der zweiten Runde den Knockout fand, und 2018 in Rom, über fünf Runden bis zu einer geteilten Punktentscheidung. Näher kann man einem Gürtel kaum kommen.

2023 hörte Weichel auf. Im September 2025 stand er wieder im Käfig, bei OKTAGON in der Frankfurter Festhalle, eine Gewichtsklasse höher – und gewann einstimmig nach Punkten. Es war der erste Profikampf seiner Karriere in seiner Heimatstadt.

Dennis Siver: der erste Deutsche in der UFC

Dennis Siver kam 1979 in Omsk zur Welt und zog 1996, mit 17 Jahren, nach Mannheim. Dort begann er im Team Kiboju mit Kickboxen und Judo, und dort blieb er. Im Februar 2004 bestritt er seinen ersten Profikampf; vor dem Wechsel in die UFC gewann er unter anderem gegen den Briten Jim Wallhead, der als Favorit gegolten hatte.

Am 21. April 2007 gab er bei UFC 70 sein Debüt – als erster Deutscher im Octagon. Der Einstand ging in der ersten Runde verloren, der Rest der Geschichte nicht: Siver blieb ein Jahrzehnt. Im Februar 2011 schlug er bei UFC 127 George Sotiropoulos nach Punkten, und mehrere Leistungsprämien kamen über die Jahre dazu.

2012 wechselte er ins Federgewicht, und das gab seiner Laufbahn neuen Schwung. 2015 war er dort der einzige Europäer unter den ersten fünfzehn der Rangliste. Im Januar desselben Jahres stand er Conor McGregor gegenüber, der ihn in der zweiten Runde stoppte. Seinen letzten UFC-Kampf, im Juni 2017, gewann Siver gegen B.J. Penn, nach Punkten – ein Abschied mit einem Sieg.

Peter Sobotta: fünfmal dabei, wenn die UFC kam

Peter Sobotta wurde in Zabrze in Polen geboren und wuchs in Balingen in Baden-Württemberg auf. Im Oktober 2004 bestritt er seinen ersten Profikampf, trainiert hat er mit dem Team Planet Eater.

Seine UFC-Geschichte beginnt mit einem Datum, das für den deutschen Sport wichtig ist: dem 13. Juni 2009, als die UFC mit Ausgabe 99 zum ersten Mal in Köln gastierte. Sobotta stand auf der Karte. Nach drei Niederlagen in den ersten drei Kämpfen trennten sich die Wege – und Sobotta kam wieder.

Im Mai 2014 in Berlin gelang ihm gegen Pawel Pawlak der erste UFC-Sieg, 2015 folgte, ebenfalls in Berlin, ein Aufgabegriff gegen Steve Kennedy. 2016 in Hamburg gewann er deutlich gegen Nicolas Dalby: alle drei Punktrichter werteten 30:26. Und 2017 in Stockholm stoppte er Ben Saunders in der zweiten Runde, sein erster Sieg durch technischen Knockout in der Organisation.

Das Bemerkenswerteste steht in der Liste seiner Abende: Köln 2009, Oberhausen 2010, Berlin 2014, Berlin 2015, Hamburg 2016. Bei allen fünf UFC-Veranstaltungen in Deutschland war Sobotta dabei. Seinen letzten Kampf bestritt er im Juli 2020 in Abu Dhabi.

Nick Hein: vom Judo in den Käfig

Nick Hein aus Elsdorf kam über den Judo zum MMA, und zwar von ganz oben. Mit sechs Jahren stand er zum ersten Mal auf der Matte, später wurde er U23-Europameister und gehörte zehn Jahre lang zur Nationalmannschaft. Die Olympischen Spiele 2008 in Peking verpasste er knapp – in seiner Gewichtsklasse kämpfte Ole Bischof, der dort Gold gewann.

Neben dem Sport arbeitete Hein als Bundespolizist in Köln, im Käfig trug er den Namen „The Sergeant“. Die UFC, sagte er vor seinem Debüt, sei sein Olympia.

Am 31. Mai 2014 war es so weit. In der Berliner Arena, vor rund 8.000 Zuschauern, gab Hein sein UFC-Debüt im Leichtgewicht gegen den Amerikaner Drew Dober – und gewann. Die Spiele, die ihm im Judo gefehlt hatten, fand er so in einem anderen Sport. In der Organisation blieb er bis 2019.

Jessin Ayari: Debüt beim letzten Abend in Hamburg

Jessin Ayari kommt aus Nürnberg. Bevor er ganz auf den Sport setzte, schloss er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ab; mit fünfzehn hatte er mit dem Boxen angefangen. Heute kämpft er für Original Fighting Nürnberg, früher trainierte er mit dem Hammers Team. Vor der UFC holte er den Weltergewichtstitel bei Superior FC.

Sein UFC-Debüt fiel auf den 3. September 2016 in Hamburg – bis heute die letzte Veranstaltung der UFC in Deutschland. Gegen Jim Wallhead ging er gegen Ende zu Boden, kam zurück und gewann nach geteilter Punktentscheidung. Auf derselben Karte stand Peter Sobotta.

Im Mai 2017 in Stockholm traf Ayari auf Darren Till, der damals noch ungeschlagen war, und unterlag nach Punkten. Wieder stand Sobotta an diesem Abend auf der Karte. Heute kämpft Ayari bei OKTAGON, und am 31. Oktober 2026 steht er in München gegen Ion Surdu im Käfig – zehn Jahre nach dem Abend in Hamburg.

Abus Magomedov: 19 Sekunden zum Einstand

Abus Magomedov wurde 1990 in Argun geboren, kam mit seiner Familie nach Deutschland und lebt und trainiert in Düsseldorf. Profi ist er seit 2010, angefangen hat er auf der regionalen Bühne in Deutschland.

Den ersten großen Schritt machte er 2018 bei der PFL, deren Saison damals in einem Finale um eine Million Dollar endete. Magomedov erreichte es. An Silvester 2018 in New York unterlag er Louis Taylor durch Knockout – ein Finale ist trotzdem ein Finale. 2020 gewann er bei KSW 57 gegen Cezary Kęsik.

Dann die UFC, und was für ein Einstand: Am 3. September 2022 in Paris stoppte er Dustin Stoltzfus nach 19 Sekunden – eines der schnellsten Debüts, die das Mittelgewicht der Organisation gesehen hat. Im Juli 2023 bekam er in Las Vegas einen Hauptkampf gegen Sean Strickland. Seither hat er unter anderem Warlley Alves, Brunno Ferreira, Michel Pereira und im Juni 2026 Michał Oleksiejczuk besiegt und steht unter den gelisteten Herausforderern im Mittelgewicht. Am 24. Oktober 2026 ist sein nächster Kampf angesetzt, gegen Cam Rowston.

Niko Samsonidse: zweimal um den Gürtel

Niko Samsonidse ist in Freiburg geboren, hat georgische Wurzeln und lebt als Wahlberliner in der Hauptstadt. Ein Freund brachte ihn zum MMA, im Dezember 2012 bestritt er seinen ersten Profikampf. Er trainiert im Spitfire Gym Berlin, trägt den schwarzen Gürtel im Brazilian Jiu-Jitsu und ist studierter Sozialpädagoge: Seit mehr als zehn Jahren trainiert er Kinder und Jugendliche. Sein Kampfname „One Love“ steht für Respekt und Liebe gegenüber jedem.

Bei OKTAGON hat er zweimal um den Titel im Federgewicht gekämpft. Im Dezember 2023 in Ostrava ging es gegen Losene Keita um den vakanten Gürtel; Samsonidse traf in der ersten Runde aus der Distanz und brachte spät einen Takedown durch, in der zweiten entschied Keita den Kampf. Im Januar 2026, vor heimischem Publikum in der Stuttgarter Schleyer-Halle, stand er erneut in einem Titelkampf, diesmal gegen Mochamed Machaev, der in der ersten Runde gewann.

Zwei Titelkämpfe, zwei Niederlagen – und beide Male ist er zurückgekommen. Im Juni 2026 gewann er gegen Denis Frimpong in der ersten Runde, am 31. Oktober trifft er in München auf Gökhan Aksu.

Khalid Taha: 25 Sekunden in Atlanta

Khalid Taha trainiert in Dortmund. Sein erster Profikampf, im April 2013, fand bei der MMA Bundesliga statt, und schon damals hatte er, wie er selbst sagt, nur ein Ziel: die UFC. Sein Vorbild ist José Aldo, seine liebste Waffe die Gerade-Gerade-Kombination.

Im Juli 2018 gab er sein Debüt im Bantamgewicht der UFC. Am 13. April 2019 kam sein schnellster Abend in der Organisation: Bei UFC 236 in Atlanta stoppte er Boston Salmon nach 25 Sekunden. Im November 2020 verlor er gegen Raoni Barcelos nach Punkten, aber der Kampf wurde zum „Fight of the Night“ gewählt – fünfzehn Minuten, die beiden eine Prämie einbrachten. 2021 schlug er Sergey Morozov einstimmig.

Seit 2025 kämpft Taha bei OKTAGON, im Federgewicht. Die ersten beiden Kämpfe dort gewann er vorzeitig, und in der Rangliste der Organisation wurde er im September 2026 unter den ersten fünf seiner Gewichtsklasse geführt.

Mandy Böhm: aus Gelsenkirchen ins Octagon

Mandy Böhm kommt aus Gelsenkirchen. Als Teenager sah sie UFC-Kämpfe und verliebte sich, wie sie sagt, in den Sport. Ihr Weg führte über Kung Fu und Kickboxen, mit Europameistertiteln im Kickboxen und im K-1. Bei der German MMA Championship bestritt sie zwischen 2016 und 2018 mehrere Kämpfe und gewann sie alle.

Trainiert hat sie im Straight Blast Gym in Irland und später bei MMA Spirit in Frankfurt. International machte sie sich einen Namen mit einem Titel bei der kanadischen Organisation TKO und einem Sieg bei Bellator 247 im Oktober 2020 gegen Griet Eeckhout.

2021 folgte der Schritt ins Fliegengewicht der UFC. Damit war Böhm die erste Frau aus Deutschland im Octagon seit Sheila Gaff. Die ersten beiden Kämpfe gingen nach Punkten verloren. Im Mai 2023 kam der erste UFC-Sieg: nach geteilter Punktentscheidung gegen Ji Yeon Kim, knapp und hart erarbeitet.

Was diese Namen verbindet

Neun Wege, und sie beginnen an sehr verschiedenen Orten: im Judo, im Kickboxen, im Kung Fu, im Brazilian Jiu-Jitsu. Gemeinsam haben sie, dass sie irgendwann alle im Käfig ankamen – und dass sie sich dort erstaunlich oft begegnet sind.

Da sind die Gyms. MMA Spirit in Frankfurt, 2010 von Daniel Weichel mitgegründet, war auch eine Station von Mandy Böhm. Da sind die Abende. Peter Sobotta und Jessin Ayari standen 2016 in Hamburg und 2017 in Stockholm auf derselben Karte. Und da sind die Gegner: Jim Wallhead unterlag Dennis Siver vor dessen UFC-Zeit und Jessin Ayari in dessen UFC-Debüt. Edgar Delgado traf 2025 innerhalb weniger Monate auf Niko Samsonidse und Khalid Taha.

Und man sieht, wie sich die Bühne verschoben hat. Zwischen 2009 und 2016 war die UFC fünfmal in Deutschland, und Siver, Sobotta, Hein und Ayari standen in diesen Jahren in ihrem Kader. Heute tragen viele der großen Abende in Deutschland den Namen OKTAGON: Weichel feierte dort sein Comeback, Taha, Samsonidse und Ayari kämpfen dort. Am 31. Oktober in München stehen zwei von ihnen auf derselben Karte.

Diese Liste ist nicht vollständig, und sie will es nicht sein. Sie ist ein Anfang – weitere Köpfe folgen in den nächsten Teilen der Reihe.

Häufige Fragen

Wer war der erste Deutsche in der UFC?

Dennis Siver. Er gab sein Debüt am 21. April 2007 bei UFC 70 und blieb bis 2017 in der Organisation. Seinen letzten UFC-Kampf gewann er gegen B.J. Penn.

Warum fehlen Christian Eckerlin und Max Coga?

Weil das Kriterium dieses ersten Teils eng ist: ein Platz im Kader der UFC oder ein Titelkampf in einer großen Organisation. Beide gehören zu den bekanntesten Gesichtern der großen OKTAGON-Abende in Frankfurt und stehen mit ihren Profilen auf dieser Seite – Christian Eckerlin und Max Coga – in dieser Folge erfüllen sie das Kriterium nicht. Die Reihe geht weiter.

Gab es vor Mandy Böhm eine deutsche Frau in der UFC?

Ja. Vor Böhm stand Sheila Gaff im Octagon. Als Böhm 2021 in die UFC kam, war sie die erste Frau aus Deutschland seit Gaff.

Wo sehe ich diese Kämpfer live?

Jessin Ayari und Niko Samsonidse stehen am 31. Oktober 2026 bei OKTAGON 96 in München auf der Karte. Alle weiteren Termine stehen im Terminkalender.

Stand: 28. September 2026. Angaben nach den Profilen der Organisationen (UFC, OKTAGON, PFL), Sherdog, ESPN und Presseberichten.

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